Als einer seiner Hauptzweige deutete die Phänomenologie der Religion auf eine solche Verschiedenheit auf dem Gebiet hin, daß sich die Religionsgelehrten schwer taten, eine präzise Definition vorzulegen, die gleichzeitig das Wesentlichste über die Religiosität selbst enthält und für jede beliebige Religion der Welt gilt, sei sie geschrieben oder mündlich überliefert. Eine der vielen Bemühungen, Religion zu definieren, basierte auf dem Kriterium der begrifflichen Vorstellung eines "Gottes" oder einer "Gottheit", bis die Gelehrten feststellten, daß der Buddhismus als eine der sogenannten Weltreligionen versuchte ­ zumindest in der Theorie­, sein spezielles Etikett als eine "atheistische" Religion hervorzuheben.

Der enge Begriff der Religion, der oft mehr durch offizielle Regierungsvertreter als durch Religionsgelehrte geprägt wird, muß in der modernen Welt neu überdacht werden. Das Wort "Religion", das sich in der einen oder anderen Form in den meisten europäischen, d. h. germanischen, romanischen und slawischen Sprachen findet, stammt von dem lateinischen Wort "religio" ab. Dieser Begriff schließt insbesondere den Gedanken ein, von etwas "Göttlichem" abhängig zu sein. Das lateinische Prinzip "cuius regio eius religio" bedeutete daher, daß der Herrscher oder ein Fürst seit dem 16. Jahrhundert im Europa der Nach-Reformation die Macht hatte, zu entscheiden, an was seine Landsleute glauben und wie sie sich verhalten sollten. Das gesamte Problem der Existenz göttlicher oder sozialer "Bindungen" dieser Art ist jedoch ein sehr westliches, und der Gedanke an sich ist in Wirklichkeit vielen Kulturen der Welt völlig fremd.
 

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