5. Die Gebräuche und der Lebensstil von Scientologen
Hubbard wird von seinen Anhängern "Gründer" genannt. Hier ergeben sich in den vergleichenden Studien Parallelen zu einer wichtigen Unterscheidung zwischen "gegründeten" und "ethnischen" Religionen. Die ersteren führen ihren Ursprung auf eine Person zurück, auch wenn diese selbst nicht annahm, daß sie die Religion gegründet hat (Jesus, Konfuzius, Lao Tse). Bei den letzteren beziehen sich die Erinnerungen nicht auf Namen, sondern statt dessen auf mündliche ethnische Traditionen. Ein erforderlicher Prozeß beim Aufbau einer jeden gegründeten Religion findet statt, wenn sich ein innerer Kreis von Anhängern um einen Meister schart und bereit ist, diesem zu folgen. Als 1954 einige Leute beschlossen, die Scientology-Kirche zu gründen, wurde L. Ron Hubbard ganz selbstverständlich zu ihrem spirituellen Führer. Nachdem er sich entschieden hatte, sein Amt als Direktor der wachsenden Kirche niederzulegen, wurde der Status des Gründers im Laufe der Zeit legendär.
In Scientology war der oftmals kritische Zeitpunkt nach dem physischen
Tod des Gründers einer Religion nicht sehr problematisch, da Hubbard
seine formellen Ämter als Leiter seiner Kirche bereits zu Lebzeiten
abgegeben hatte. Bereits vor seinem Ableben im Jahre 1986 wurde dem Gründer
besondere Hochachtung zuteil, und in jeder Scientology-Kirche weltweit
wurde ihm ein eigener Raum eingerichtet. Ganz gleich auf welche Art es
geschehen ist, diese Art von Prozeß hat sich bei einem religionsphänomenologischen
Vergleich als einer der wichtigsten Punkte in der Gründung einer
jeden älteren oder neueren Religion herausgestellt, die selbst davon
ausgeht, von jemandem gegründet worden zu sein.