A) Auditing

Die primäre Religionspraktik der Scientology nennt sich Auditing. Für die Scientologen stellt das Auditing einen methodischen spirituellen Weg dar.

Um was handelt es sich hier?

Durch das Auditing kann die Person alle Geschehnisse dieses Lebens und der vorhergehenden Leben auf einer "Zeitspur" (time track) zurückholen, also sich daran erinnern. Die bedeutsamsten der zurückgeholten Geschehnisse sind diejenigen traumatischen Geschehnisse, in denen eine bestimmte Energiemenge gebunden oder abgespalten wurde. Hierdurch wird das Fähigkeitsniveau verringert, indem Handlungsfähigkeit und vernünftiges Denken blockiert werden. Durch die Zurückholung dieser Vorfälle und deren "Laufen" [2] wird die mit den Vorfällen verbundene Energie durch "Abreaktion" freigesetzt und steht dann wieder zur Verfügung. Hierdurch wird ein Gefühl des Sich-Wohlfühlens erreicht. Auch werden vergangene Vorfälle als die Ursache von physischen oder psychischen Leiden angesehen. Deren Erkennung sowie die Beschäftigung der auditierten Person mit ihnen sollen Leiden beseitigen. Zum Beispiel könnte jemand, der von Schmerzen geplagt wird, während des Auditings herausfinden, daß er in einem früheren Leben erwürgt wurde. Indem er diesen traumatischen Vorfall durchläuft, setzt er den mit dem vergangenen Vorfall zusammenhängenden Schmerz frei. Dies erinnert an die Konstruktion eines persönlichen Mythos in der schamanistischen Heilung, wie es Lévi-Strauss in seinem Buch Anthropologie structurale [3] erörtert.

In der Hubbardschen Terminologie verwendet das Auditing der Scientology die Fähigkeiten des analytischen Verstandes, um den reaktiven Verstand von den schädlichen Engrammen zu befreien, die das Vermögen behindern, die Energie des inkarnierten Thetans wiederzugewinnen.

Durch das Auditing werden zwei Dinge erreicht: 1) Die Erforschung der Vergangenheit macht dem Anhänger schnell deutlich, daß er ein allmächtiger inkarnierter Geist ist, der nur durch seinen menschlichen Zustand eingeschränkt wird; 2) das Auslöschen der Engramme führt zu dem Zustand "Clear" [4].

Durch die Beseitigung der Engramme wird das Wesen regeneriert. Dies zeigt sich durch eine erhöhte Lebenskraft mit einer höheren Überlebensfähigkeit, einem Gefühl der Stärke und Energie und besseren Fähigkeiten, die auf einer Emotionsskala gemessen werden können.

Für die Scientologen ist das Auditing eine Form von seelsorgerischer Beratung. Bryan Wilson teilt diese Ansicht (in Scientology, geschrieben 1994), wenn er der Meinung ist, daß sich in Scientology die Systematisierung der Beziehungen zur Spiritualität manifestiert ­ eine Orientierung, die man im "Methodismus" findet. Wir sehen Scientology als eine Form der zweckmäßigen Gestaltung oder der Rationalisierung religiösen Lebens.

Scientologen erleben Auditing in erster Linie als ein spirituelles Abenteuer, mit dem wie in den östlichen Religionen der Zugriff auf den spirituellen, unsterblichen Teil des Menschen möglich ist.

Durch das Auditing wird sich der Thetan seiner Unsterblichkeit bewußt und wird dadurch zu spirituellem Wachstum fähig, und der Mensch gewinnt ein größeres Verstehen über seine Spiritualität und seine Beziehung zum Höchsten Wesen. Des weiteren befähigt Auditing den Menschen zu größerem Verständnis und zu größerer Leistungsfähigkeit auf allen acht Dynamiken.

Ehemalige Anhänger der Religion haben die Scientology als eine Form von Psychotherapie bezeichnet. Die Methoden und Rituale sind jedoch nicht die gleichen, und die Ziele sind ebenfalls völlig verschieden: Die Psychotherapie beschäftigt sich mit dem Verstand; das Ziel der Scientology ist jedoch die Errettung des Geistes. 1) Die auditierte Person beginnt die Dualität des Menschen zu verstehen und erkennt durch die Entdeckung vergangener Leben die durchgängige Anwesenheit eines einzigen Prinzips über alle Leben hinweg; 2) Scientology beschäftigt sich darüber hinaus mit dem Thetan. Indem der Thetan von mentalen und körperlichen Lasten befreit wird, gewinnt er seine ursprüngliche Kraft wieder; das Individuum, das der Thetan repräsentiert, wird damit sozusagen "lebend befreit" (jivan mukti).
 

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