III.VIII. Verweise auf religiöse Tradition

Die Befragten sprachen religiöse Traditionen nur an, um auf deren Mängel hinzuweisen (Katholizismus, Buddhismus).

Keiner erwähnte eine Verbindung zwischen dem Buddhismus und der Scientology, obwohl diese von L. Ron Hubbard geltend gemacht wird. Er unterstrich die Gemeinsamkeiten, bedauerte jedoch den Mangel an Effizienz des Buddhismus in der Welt.

Diese Nicht-Erwähnung geht Hand in Hand mit der Nicht-Erwähnung der Wissenschaftlichkeit. Die Gläubigen streben nicht nach einer Legitimation ihres Glaubens, indem sie auf externe Faktoren hinweisen. Das, was sie für sich selbst verifiziert haben, scheint ihnen ausreichend zu sein. Sie halten es nicht für nötig, ihren Glauben anderen gegenüber in theologischen Begriffen zu belegen oder sich in eine Tradition religiösen Denkens einzureihen, obwohl L. Ron Hubbard Ähnlichkeiten zwischen Scientology, Buddhismus und verschiedenen alten Weisheitsreligionen aufzeigte.

Die Legitimation der Scientology, wie sie von einigen ihrer Mitglieder empfunden wird, befindet sich nicht ganz im Einklang mit den offiziellen Dokumenten. Die "Wissenschaft, die auf Gewißheit basiert" ist eher eine "Wissenschaft, die auf Gewißheiten basiert", die nur akzeptiert werden, wenn sie durch persönliche Erfahrungen bestätigt werden. Daraus läßt sich ableiten, daß sich der Glaube auf Wahrscheinlichkeit gründet und relativ zu dem Stadium zu sehen ist, in dem sich das Mitglied auf der spirituellen Skala befindet. Andererseits werden aber Bekräftigungen der Lehre im Hinblick auf die Technologie der Bewegung akzeptiert. Wir haben es nicht mit sinnlich wahrnehmbaren Beweisen der Wahrheit zu tun, die zu einer bestimmten Verhaltensweise führen, wie in Fällen von Bekehrung in einer Erlösungsreligion. Die Gläubigen solcher Religionen beten, weil sie die Glaubensstruktur akzeptieren, in denen zum Beten angehalten wird. Der Scientologe hingegen zählt eine Gewißheit zur anderen, bis er hinreichende Beweise für die Wahrheit gefunden hat. Ein Scientologe sagte mir, daß er es vorziehe, über eine "kontinuierliche Bekehrung" zu sprechen.

Es scheint auch, daß es sich bei ihrem Glauben um eine fides efficax handelt, da die Gläubigen behaupten, daß sie in der Scientology ein Mittel gefunden haben, um die Gesellschaft zu verstehen und in ihr und in der gesamten Welt Veränderungen zu bewirken.

Scientology weist die charakteristischen Merkmale einer Religion auf. Sie verfügt über eine Theologie, einen Satz von Übungen, mit denen der spirituelle Teil eines jeden menschlichen Wesens erreicht werden kann, eine "sehr bürokratisierte" Kirchenstruktur und religiöse Riten. Verschiedene andere Autoren vor uns, selbst die kritischsten, haben nicht an der religiösen Natur der Scientology gezweifelt: Michel de Certeau, Roy Wallis, Bryan Wilson, Harriet Whitehead, Lonnie D. Kliever, Frank K. Flinn.
 
 

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