F) Geistlicher Beistand

Scientology unterhält eine Anzahl von ordinierten Geistlichen, die Zeremonien abhalten und das Auditing praktizieren.

In ihren Studien über die Scientology-Kirche haben Roy Wallis und Roland Chagnon versucht, ein Profil der Anhänger zu zeichnen. Ihre Ergebnisse gleichen sich in einer großen Anzahl von Punkten.

In Frankreich haben wir versucht, Informationen der gleichen Art über 285 Anhänger zu sammeln, die willkürlich aus den Akten der Kirche ausgewählt wurden. Das sich abzeichnende Profil ergibt, daß es sich bei zwei Dritteln um Männer handelt und daß die Mitglieder größtenteils zwischen 26 und 41 Jahre alt sind. Die meisten sind verheiratet oder leben in eheähnlicher Gemeinschaft und haben ein oder zwei Kinder.

Die meisten Scientologen wuchsen in Städten auf und haben dort bis zu ihrem 18. Lebensjahr gelebt. Sie sind stabil in der Gesellschaft integriert; sie haben eine hohe berufliche Stellung (Betriebe mittlerer Größe, Führungskräfte, Geschäftsleute, Handwerker, Ladenbesitzer). 42% haben eine höhere Schule besucht. Sie sind auf die Gebiete der Technik, der Kunst, des Handels oder der Literatur spezialisiert.

Bei den französischen Scientologen handelt es sich überwiegend um ehemalige Katholiken, welche die Kirche verlassen haben; 16% geben an, daß sie Atheisten waren. Von denjenigen, die gewillt waren, über ihre derzeitige Einstellung in bezug auf ihre ursprüngliche Religion zu reden, gaben etwas mehr als die Hälfte an, daß sie immer noch Katholiken seien, und einige von ihnen fügten hinzu, daß sie ihre ursprüngliche Religion jetzt besser verstehen und sie diese spirituell mehr ausleben. Hierbei fällt auf, daß das Praktizieren von Scientology nicht unbedingt zu einer Ablehnung der ursprünglichen Religion führt, obwohl Scientology im praktischen Sinn eine eigenständige Religion ist und Scientologen im allgemeinen ihre Verbindungen zu früheren Religionen nur aus gesellschaftlichen und familiären Gründen aufrechterhalten.

Die scientologischen Schriften enthalten mehrere Argumente, um L. Ron Hubbards religiöse Lehre der Scientology, die als "angewandte religiöse Philosophie" bezeichnet wird, zu legitimieren. Die Argumentation zeigt, daß sich Scientology und die Ideale und Praktiken der gegenwärtigen westlichen Gesellschaft auf gleicher Ebene bewegen.

Die Lehre der Scientology ­ die nicht als eine offenbarte Moral begriffen wird, sondern als das Ergebnis der richtigen Anwendung menschlicher Vernunft ­ nimmt die Ideale und Werte einer liberalen Gesellschaft an: individueller Erfolg, eine Wettbewerbsmoral unter den Einzelpersonen zur Vermeidung von unsozialem Verhalten, aufstrebende wirtschaftliche Macht sowie Wissenschaft und Technologie, die Verbesserungen im persönlichen Wohlbefinden ermöglichen, der Glaube an den kontinuierlichen Fortschritt der Zivilisation, an den Menschen und sein Potential, an die Möglichkeit einer Harmonie zwischen den persönlichen Zielen und denen der Zivilisation als Ganze. Die Natur des Menschen rechtfertigt den Glauben an diese Ideale: Der Mensch ist gut und strebt demzufolge nach dem Guten, d. h. dem größtmöglichen Überleben. Wenn es ihm nicht gelingt, mehr Stärke zu erlangen oder eine Moral zu praktizieren, die dem Fortschritt der Zivilisation förderlich ist, so deshalb, weil er unter Aberrationen, unter "Abweichungen" von der Vernunft leidet, die mit Hilfe bestimmter Techniken behoben werden können.
 

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