Eine kleine Zahl der „neuen Religionen" hat ihren Ursprung in der Wiederentdeckung vergessener oder vernachlässigter Aspekte älterer religiöser Traditionen, oftmals der mystischen oder meditativen Dimensionen moslemischen, jüdischen oder christlichen Glaubens. So war beispielsweise der erste „Deprogrammierungs"-Fall in Kanada eine junge Frau, Absolventin der University of Waterloo, die sich einer katholischen, charismatischen Gemeinschaft in Orangeville, Ontario, angeschlossen hatte.

Viele der „neuen Religionen" entwickelten sich aus der Begegnung christlicher oder islamischer Missionierung mit einheimischen Traditionen in Afrika und Asien. Als diese Gruppen damit begannen, ihren Glauben in Nordamerika zu verbreiten, löste das Alarmstimmung aus, da viele der Glaubensvorstellungen dieser neueren Gemeinschaften von den älteren Bekenntnissen als „häretisch" betrachtet wurden. Manche dieser synthetischen Bewegungen, wie z.B. die Vereinigungskirche, haben ihren Ursprung in der Welt der christlichen Missionierung, beinhalten jedoch auch Elemente der einheimischen oder traditionellen Religionen sowie „neue Offenbarungen". Ein analoger Fall ist die Bahai-Tradition, die sich aus der islamischen Tradition entwickelt hat, aber auch „neue Offenbarungen" beinhaltet.

Manche der neuen Religionen sind ganz allgemein „neu", wie z.B. Scientology und die Prosperos. (Dazu Robert Ellwood Jr., Religiöse und Spirituelle Gruppen im Amerika der Moderne, Englewood Cliffs, NJ, 1973). Nichtsdestoweniger finden wir sogar in diesen Fällen eine Verneinungen absoluter Neuheit, wenn L. Ron Hubbard zum Beispiel erklärt, Scientology sei „eine direkte Fortsetzung der Werke von Gautama Siddharta Buddha" Handbuch für den ehrenamtlichen Geistlichen). Daher existieren sogar in diesen Fällen Elemente des Glaubens, der Praxis, der Inspiration oder des Ritus, die ihre Vorläufer in älteren und/oder anderen Traditionen haben.
 

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