III.III. DIE ERZÄHLERISCHE ODER MYTHISCHE DIMENSION
In vielen Religionen gibt es überlieferte Erzählungen.
Diese Erzählungen können von den Handlungen eines Gottes, mehrerer
Götter oder anderer geistiger Wesen handeln oder vom Lebenslauf eines
heiligen Lehrers, von den Erfahrungen einer religiösen Gemeinschaft
und so weiter. Die Erzählungen in der jüdischen und christlichen
Heiligen Schrift von der Schöpfung der Welt, der Übergabe der
Zehn Gebote an Moses und vom Auszug der Israeliten aus Ägypten unter
Gottes Führung gehören in diese Kategorie, ebenso wie die Erzählungen
in der Religion der australischen Ureinwohner von den Taten der Heiligen
Wesen, als sie dem Land seine Gestalt gaben. Genauso ist es mit den Erzählungen
im Islam über das Leben des Propheten Mohammed und im Buddhismus über
die Erfahrungen von Gautama (Buddha). Smart betont, daß er das Wort
„mythisch" hier im rein technischen Sinn benutzt, als Hinweis auf eine
Erzählung, die religiöse Bedeutung hat. Er will damit nicht sagen,
daß die Erzählung unbedingt falsch ist. In den meisten Kulturen
ohne schriftliche Überlieferung wird der religiöse Glaube in
erster Linie in erzählerischer Form ausgedrückt, wobei diese
Erzählungen mündlich weitergegeben werden.