III.VII. DIE MATERIELLE DIMENSION

In seinem letzten Buch fügt Smart der Religion eine siebte Dimension hinzu, die materielle Dimension, um damit der Tatsache Rechnung zu tragen, daß es oft bestimmte religiöse Artefakte, Orte, Gebäude, Embleme usw. gibt. Die relative Wichtigkeit dieser Dinge ist von Religion zu Religion verschieden. In einigen kleineren Gemeinschaften gibt es zum Beispiel keine besonderen religiösen Gebäude; andererseits können auch Teile der natürlichen Umgebung von religiöser Bedeutung sein, wie die heiligen Stätten in den Religionen der australischen Ureinwohner und der Fudschijama in der traditionellen japanischen Volksreligion. Tempel, Moscheen oder Kirchen sind im Buddhismus, Hinduismus, Judaismus, Islam und Christentum Teil der materiellen Dimension. In verschiedenen Religionen gibt es auch heilige oder symbolische Objekte, wie Totems, Reliquien, Embleme, sakramentale Gegenstände und ähnliches. Auch wenn alle, oder fast alle der oben genannten Dimensionen in jeder der großen Weltreligionen vorhanden sind, so kann die Wichtigkeit, die einer bestimmten Dimension beigemessen wird, von Religion zu Religion und sogar von einer Untergruppierung zur anderen innerhalb der gleichen großen Religion variieren. Smart stellt fest:

Es gibt religiöse Bewegungen oder Manifestationen, in denen die eine oder andere Dimension so schwach ist, daß sie fast völlig fehlt: Analphabetische kleine Gesellschaften haben kaum die Möglichkeit, die doktrinäre Dimension auszudrücken; die Buddhisten der Moderne, die sich auf Meditation, Ethik und Philosophie konzentrieren, zeigen kaum Interesse an der erzählerischen Dimension des Buddhismus; einige erst vor kurzem gegründete Gruppierungen haben möglicherweise kaum etwas im Gebiet der materiellen Dimension aufzuweisen. Es gibt auch viele Menschen, die offiziell keiner sozialen religiösen Gruppierung angehören, die aber ihre eigenen speziellen Weltanschauungen und Praktiken haben. Deshalb können wir innerhalb der Gesellschaft Teilstückchen von Religion entdecken, die keine irgendwie geartete soziale Dimension besitzen. (Ninian Smart, The World's Religions: Old Traditions and Modern Transformations, S. 21)
 
 

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