Religionen können auf sehr viele unterschiedliche Arten und aus verschiedenen Gesichtspunkten heraus analysiert werden. In diesem Zusammenhang erscheint es angebracht, eine Anordnung zu wählen, die sowohl die Variationen und Nuancen als auch den Grad der Vollständigkeit aufzeigt. Der Religionshistoriker Ninian Smart hat in mehreren Werken seine Darstellung in sieben Kategorien pädagogisch angeordnet. Jede zielt auf eine besondere und charakteristische Dimension der diskutierten Religion. Diese sieben Dimensionen sind: Die praktische und rituelle, die emotionelle und die auf Erfahrung bezogene, die mythische und erzählerische, die philosophische und doktrinäre, die ethische, die soziale und institutionelle und schließlich die materielle und ästhetische. Auf der Grundlage dieses Musters kann man versuchen, die typischen Eigenschaften einer einzelnen Religion auf eine Weise zu unterscheiden, die den Vergleich mit anderen Religionen und anderen ähnlichen Vergleichen ermöglicht.

Dieses Gutachten ist nicht der Ort, um die Geschichte der Scientology Kirche zu beschreiben oder auf das Problem der Verläßlichkeit der Quellen einzugehen, dem sich ein Religionshistoriker gegenübersieht, wenn er die Beiträge des dynamischen Gründers von Dianetik und Scientology, L. Ron Hubbard (1911­1986), aus verschiedenen Perioden seiner Entwicklung miteinander vergleicht. Auch die Entwicklung von der Therapie der Dianetik zur Doktrin der Scientology Kirche wird nicht behandelt; soweit es den Ursprung der Religion betrifft, ist das Bild Ausgangspunkt, das die Kirche als repräsentativ für sich selbst betrachtet.

Die erste Dimension ist die praktische und rituelle. Hier findet sich die individuelle, geistige Beratung, Auditing genannt, und das intensive Studium der religiösen Schriften, genannt Ausbildung. Hier finden sich auch kollektive Riten, die regelmäßig abgehaltenen religiösen Dienste und Zeremonien der Namensgebung für Kinder, Eheschließungen und Begräbnisse. Das Auditing und dessen Struktur hängen natürlich direkt vom Verständnis der Kirche in Bezug auf den Menschen und dessen Möglichkeiten der spirituellen Entwicklung ab, mit denen wir uns später befassen werden. Das Prinzip ist, daß das Individuum auf einem formalen Weg dazu gebracht wird, seinen spirituellen Zustand und die Hindernisse für seine Entwicklung als geistiges Wesen zu erkennen. Indem solche Hindernisse sichtbar gemacht werden, wird die Person in die Lage versetzt, sie zu beseitigen und Fortschritt zu erzielen. In dieser Hinsicht erinnert die geistige Beratung an bestimmte Praktiken des Buddhismus und des Hinduismus, die ebenfalls auf einer engen Bindung zwischen dem Lehrer und dem Schüler sowie auf einer Wechselwirkung zwischen Formalismus und Intuition gegründet sind.
 

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