Scientology wird gewöhnlicherweise als Beispiel einer „neuen Religion" betrachtet, eine Bezeichnung, die sich üblicherweise auf Bewegungen bezieht, die in der westlichen Welt während unseres Jahrhunderts entstanden sind und die Schweden in den 60er Jahren oder später erreicht haben. Mit dieser Bezeichnung hat man nicht nur auf diese Tatsache Bezug genommen sondern auch darauf, daß diese „neue Spiritualität" sich in vielerlei Hinsicht von den älteren Kirchen, Gemeinschaften und Sekten unterscheidet, soweit es die Grundidee, die religiösen Zeremonien, die Methoden der Missionierung und die Gewinnung neuer Mitglieder angeht. Es ist möglich, daß die Bezeichnung „neue Religionen" auch Ausdruck einer Abgrenzung ist und daß in einem gewissen Eifer, ihren Ursprung und ihre Entstehung auf der Grundlage sozialer und psychologischer Analysen zu „erklären", diese Bezeichnung die neuen Religionen auf diese sozial-psychologischen Faktoren reduzieren soll. Insbesondere in älteren Darstellungen von Autoren, die den älteren und etablierteren religiösen Gemeinschaften angehören oder diesen sehr nahestehen, ist die Irritation bezüglich der „Konkurrenz" feststellbar, die die „neue Spiritualität" darstellt. In einigen Fällen drückt sich dies dadurch aus, daß diese Religionen als „Sekten" gebrandmarkt und Behauptungen aufgestellt werden, sie würden vor allem junge Menschen unter emotionell belastenden Umständen in ihren Bann ziehen und sie dann mit dubiosen und autoritären Methoden festhalten. Alle Religionen, Kirchen, religiösen Gemeinschaften etc. waren irgendwann „neu" und sind vor einem älteren, traditionellen Hintergrund erschienen, mit allem, was man darunter verstehen mag ­ Missionsarbeit, Bekehrung, Organisationsform und Verbreitung der Botschaft.

Die Instrumentalisierung, das Konzentrieren auf das Leben hier und jetzt, die Organisationsform und das rationale und technische Vokabular, Dinge die gewisse „neue Religionen" auszeichnen, hat vor allem Vertreter christlicher Gemeinschaften zu der Frage veranlaßt, ob diese als Religionen im eigentlichen Sinne bezeichnet werden können. Diese Diskussion ist heute für einen Religionshistoriker ziemlich uninteressant und von geringer Relevanz.

Wenn man zum Beispiel eine sehr weit verbreitete Definition für den Begriff Religion verwendet ­ „Religion ist die Überzeugung von der Existenz einer übernatürlichen Welt, eine Überzeugung, die sich vor allem in Glaubenskonzepten verschiedener Art ausdrückt, die konkret durch Rituale und Feiern und epische Darstellungen illustriert werden" (Ake Hultcrantz, Methods Within the Comparative Research of Religion, 1973, Seite 13), dann ist die Scientology Kirche ganz eindeutig eine Religion. Desweiteren gibt es keinen Grund für einen Religionshistoriker, verschiedene Religionen auf einer Werteskala einzustufen.
 
 

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